Nordkurier vom 28.03.2007
von G. Herzberg
Europaschule: Projekte
über Grenzen hinaus
DEMMIN. Polnische
und deutsche Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam an einem Projekt. Vorreiter
dafür ist die Pestalozzischule in Demmin, die inzwischen den Namen
"Europaschule" trägt. Sie hat sich Mädchen und Jungen des Gymnasiums Nummer 20
aus Szczecin (Stettin) mit ins Boot geholt. Besagte Schule trägt jetzt ebenfalls den
Namen "Europaschule". Informationen über das Projekt erhielten gestern Studenten der deutschen und
englischen Fakultät aus Koszalin. Sie sind für einige Tage im Landkreis Demmin
unterwegs, um sich darüber zu informieren, wie in Deutschland unterrichtet wird
(Nordkurier berichtete). Heute erhalten sie beispielsweise Gelegenheit, in der
Pestalozzischule in verschiedenen Unterrichtsfächern wie Deutsch, Englisch oder
Geografie zu hospitieren. So erfahren sie direkt etwas über Unterrichtsformen und Bildungsinhalte
in Mecklenburg-Vorpommern. Dörte
Bretsch, Leiterin der Pestalozzischule, hatte gestern noch eine so genannte
Zeitungsausgabe für die Gäste dabei, und zwar in polnischer Sprache. "Es sind
Artikel zu Aktivitäten unserer Schüler zum Projekt Europa. Für dieses Blatt brauchen
sie also keinen Dolmetscher", meinte Dörte Bretsch und schmunzelte. Zumindest für
die Studenten der englischen Fakultät war die Dolmetscherin noch vonnöten, die
künftigen Pädagogen, die auch Deutsch auf ihrem Stundenplan haben, konnten sich schon
gut verständigen. Mädchen und Jungen der Pestalozzischule gaben gestern anhand von Fotos
Auskunft über ihre Projekte mit den Schülern aus Szczecin. Dazu gehörten gemeinsame
Ausflüge nach Berlin, Warschau und München. 15 Schülerinnen und Schüler aus Demmin und
Koszalin waren dazu unter dem
Thema "Kein Frieden ohne Freiheit" unterwegs, um etwas über den
Nationalsozialismus und Kommunismus zu erfahren. Internetseiten und Ausstellungen wurden
gestaltet, Zeitzeugen beispielsweise in München zur damaligen Aktion "Weiße
Rose" befragt. Dabei erfuhren die Mädchen und Jungen, wie Studenten gegen Hitler
kämpften und ins Konzentrationslager kamen. Gedenkstätten in Dachau und Hohenschönhausen
wurden besucht. lnzwischen haben
sich die Schüler der Demminer Pestalozzischule auch ein Europakabinett eingerichtet. Hier
entstehen die Wandzeitungen und Tafeln für die Ausstellungen. An drei Computerarbeitsplätzen
haben sie die Möglichkeit, Bilder zu bearbeiten und per E-Mail ständigen Kontakt mit den Schülern aus Szczecin zu halten.
"Das nächste Projekt hat etwas mit Kultur zu tun", verriet Lehrerin Jutta
Voß.
Zum Thema "Brückenköpfe" haben die Demminer vor einiger Zeit gelernt, auf
afrikanischen Trommeln zu spielen. "Diese Musik wollen wir mit den polnischen
Schülern in einem Theaterstück verarbeiten", erklärte die Demminer Lehrerin. Es
sei besonders wichtig, dass polnische und deutsche Jugendliche diese Projekte
gemeinsam gestalten. "Sie haben gemeinsame Erlebnisse, lernen sich besser kennen, das
ist schon beispielgebend". Wichtig bei den benannten Projekten sei den Schülern
immer der Kontakt zu den Menschen vor Ort gewesen. Heute und morgen sind die polnischen
Studenten in der Pestalozzischule und dem Goethegymnasium zu Gast, und starten zudem noch
eine Fahrt nach Stavenhagen. Sie werden unter anderem in Ivenack die hundertjährigen
Eichen besichtigen, bevor es am Freitag wieder zurück nach Koszalin geht.